Einleitung

Auch für diese bei Saluzzo beginnende und in die Täler Grana, Maira, Varaita und Po führende Reiseroute empfiehlt sich das Auto.

Saluzzo (395 m ü.d.M.), Schnittpunkt zwischen Alpen und Ebene, liegt an den sich gegen die Täler Bronda und Varaita öffnenden Hügeln, ist umgeben von Weinreben und Obstplantagen; und alles überragt der Monviso, der König aus Stein. Man betritt die Altstadt am besten durch eines der beiden erhaltenen Stadttore, Überrest der alten Stadtmauer von 1379, das Stadttor Santa Maria, nunmehr im Stil des 18. Jh., nahe der Kathedrale. Schon nach wenigen Schritten befindet man sich im Zauber der Altstadt, man durchschreitet die porti scur, die dunklen Arkaden (mit Gemüse-und Blumenmarkt jeden Mittwoch- und Samstagmorgen) und gelangt zur Piazza dei Mondagli, an der Silvio Pellicos Geburtshaus steht. Nach einer engen Steintreppe kommt man zur Salita al Castello, zum Herz der mittelalterlichen Altstadt. Sehenswert ist das alte Rathaus, das vor kurzem seinen alten Glanz zurück erhielt. Erbaut um die Mitte des 15. Jh., weist es an den Fassaden-Fenstern schöne Cotto-Verzierungen und Fresken aus dem Jahr 1601 (Cesare Arbasia) auf, als die Markgrafschaft an die Savoyer ging und dies gefeiert wurde. Am Ende der Steige steht die massige Castiglia, das um 1270 von Tomaso I errichtete Schloss. Es diente zuletzt als Gefängnis und harrt nun nach der Renovierung neuer Nutzung. Beachtenswert die eigenartige Fontana della Drancia aus dem Jahr 1763. Am Rathausturm biegt man ab zu einem der reizendsten Winkel der Altstadt und steht vor dem Dominikanerkloster San Giovanni mit seiner Grabkapelle der Markgrafen von Saluzzo, dem Grab Lodovico II und dem Kreuzgang (1466) mit seinem eleganten Kapitelsaal. Nach wenigen Metern erreicht man Casa Cavassa, Symbol des örtlichen Renaissance-Stils, in dem sich das Stadtmuseum befindet. Es besitzt interessante Werke Hans Clemers, wertvolle Holztafelmalerei- und Freskensammlungen. Beim weiteren Gang hinunter durch die Altstadt beachte man das besondere Kopfsteinpflaster (ideal für Reiter, wenige

r angenehm zu Fuß), und die vielen schönen meist Jahrhunderte alten Portale. Lohnend ist ein Besuch der zwischen 1491 und 1501 von Lodovico II errichteten Kathedrale mit neugotischen Frasken und einem Flügelaltar von Hans Clemer, auf dem der Markgraf Lodovico II mit seiner Gemahlin Margherita von Foix von den Heiligen Chiaffredo und Costanzo der Heiligen Mutter Gottes vorgestellt wird.

Von Saluzzo erreicht man Caraglio (675 m), die erste Ortschaft des Grana-Tals. Viele geschichtliche und künstlerische Spuren führen hier in die Vergangenheit wie z. B. der Weg hinauf zum Schloss und zu den romanischen und barocken Kirchen. Besondere Erwähnung verdient die alte, nunmehr zur "Industrie-Archäologie" gehörende Spinnerei Rosso, eine der ältesten Fabrikgebäude Italiens und heute Sitz von Ausstellungen.

Auf einem nahen Hügel kann man die Burgruine von Valgrana (642 m) erkennen. Dort ist die alte, vor dem 14. Jh. erbaute Pfarrkirche mit Fresken (14. Jh.) und einem Taufbecken aus dem Jahr 14. Jh. (Gebrüder Zabreri) zu bewundern. Einen Besuch wert sind ferner das Pilgerhaus aus dem 15. Jh. in der Via Trinità und die Kapelle San Bernardo auf der Straße nach Montemale mit Pietro da Saluzzo zugeschriebenen Fresken. Nach dem Ortsteil Cavaliggi kommt man zu Santa Maria della Valle, dem ältesten Kloster im Grana-Tal. Den Hauptort Montemale (961 m) krönt das mächtige Schloss, das Anfang des 20. Jh. auf den Ruinen der alten Festung der Markgrafen von Saluzzo wieder erbaut wurde. In Monterosso Grana (720 m) ist die Kapelle San Sebastiano sehenswert mit ihrem Fresken-Zyklus des Pietro da Saluzzo.

Im Zentrum von Pradleves (822 m) findet man einige mittelalterlicher Baukunst nachempfundene Bauten. Die Kirche San Ponzio besitzt ein Taufbecken aus dem Jahr 1520.

Sehenswert ist Castelmagno (1141 m) mit seinem Wallfahrtsort in 1760 m Höhe und der San Magno, dem heiligen thebäischen Soldaten gewidmeten Wallfahrtskirche. In der Allemandi-Kapelle Fresken von Pietro da Saluzzo.

Es geht weiter nach Dronero (619 m), einer kleinen Stadt mit viel Geschichte, Kunst und Kultur, Wahlheimat des italienischen Staatsmannes Giolitti. Ein Rundgang führt über die mittelalterliche Ponte del Diavolo (Teufelsbrücke) mit Blick über die Stadt, zur Pfarrkirche aus dem 15. Jh. mit steinbehauenem Portal der Gebrüder Zabreri, die im gesamten Maira-Tal sehr aktiv waren. Man fährt weiter nach Cartignano (694 m) mit seinem von den Grafen Berardi di San Damiano Ende des 15. Jh. errichteten Schloss und einer interessanten überdachten Brücke. Das Maira-Tal ist ein enges und langes Tal, das immer wieder mit unerwarteten Ausblicken überrascht. In Macra sind sehenswert: die zwischen 1120 und 1148 erbaute Kapelle San Salvatore, wahres Kleinod religiöser Architektur mit Malereien von großem Interesse, sowie die an der mittelalterlichen Talstraße errichtete Kapelle San Pietro. In Celle Macra (1270 m) sollte man die Pfarrkirche mit dem von Hans Clemer Flügelaltar der Madonna zwischen Heiligen (1496) und die mit Fresken von Baleison ausgeschmückte Kirche San Sebastiano besuchen.

In Stroppo (1087 m) sind unbedingt zu besichtigen die Kirche San Peyre aus dem 12.-13. Jh. Beachtenswert die Häuser aus Naturstein in ihrer schlichten, einfachen aber sehr soliden Bauweise. Alle diese Gebirgsdörfer mit ihren Gemeinschafts-Backhäusern, ihren engen Gässchen waren bis zur Mitte des 20. Jh. im Winter manchmal nach starkem Schneefall monatelang von der Außernwelt abgeschnitten. Um nach Elva zu gelangen, braucht man nicht zur Provinzstraße zurück kehren, sondern man kann von hier aus zwischen herrlichen Wäldern und Auen - einmalig die Enzian- und Rhododendron-Blüte im Frühsommer - zum Cavallina-Pass hinauf gelangen. Elva ist ein Kleinod der Natur und der Architektur. Nicht zu versäumen der Besuch der Pfarrkirche mit Fresken von Hans Clemer. Weiter geht es über die Strada del Vallone (Schlucht-Straße) nach Acceglio (1200 m), Grenzort mit bewegter Vergangenheit. Kurz nach Acceglio verbreitert sich das Tal wie ein Amphitheater; vom Ortsteil Saretto aus erreicht man kleine Seen und Wasserfälle.

Auf der Rückfahrt empfiehlt sich ein Besuch des Naturschutzgebietes Ciciu del Villar in Villar San Costanzo (605 m), einer Gruppe von Erosionsfelsen auf lehmigem Grund, die in ihrer Form an riesige Pilze erinnern. Im Dorf sehenswert die Kapelle San Giorgio und die Krypta in der Pfarrkirche sowie die alte Abtei San Costanzo al Monte.

Im Varaita-Tal ist Busca sehenswert (500 m) mit seinem neugotischen Schloss Roccolo und den Fresken in der Kirche im Ortsteil San Martino. In Costigliole Saluzzo (460 m) warten auf Sie der Quagliano-Wein und die Altstadt mit ihren drei Schlössern.

Auf der Reiseroute durch das Varaita-Tal liegt Brossasco (606 m) mit der Pfarrkirche S. Andrea: ihr gotisches Portal aus dem Jahr 1406 ist das einzige Beispiel des sog. gotischen flamboyant der Provinz. Valmala (831 m) ist berühmt wegen seiner Wallfahrtskirche. Unbestrittener Hauptort des Tales ist Sampeyre (917 m), wo sich die Tradition der Bahio, des tausendjährigen Festumzuges mit seinen Sarazenen, Mohren, Soldaten und Narren lebendig erhalten hat. Der Ort geht zurück auf das Mittelalter; sehenswert sind Casa Clary (wohl ehemaliges Rathaus) und die Pfarrkirche SS. Pietro e Paolo.

Der Ortskern von Casteldelfino (1296 m) wird überragt von der romanisch-gotischen Pfarrkirche Santa Margherita und ihrem hohen Glockenturm. Die grauen Schieferdächer des nahen Bellino (1634 m) versetzen uns in alte geschichtsferne Zeiten. Heben wir den Blick zu den Häuserfassaden, so entdecken wir viele Sonnenuhren, Erbe okzitanischer Kultur. Das Varaita-Tal war, wie auch alle anderen Grenzgebiete hier, Land der Auswanderer: bis zur Hälfte des 20. Jahrhunderts ging man von hier zu Fuß nach Frankreich über den Agnello-Pass, die letzte Rast war in Pontechianale (1614 m). Dieser an Naturschönheit und Tradition reiche Ort am Fuß des Monviso feiert im Ortsteil Chianale jedes Jahr am 10. August die San Lorenzo-Prozession in der örtlichen Tracht, die Bergbauern auf Eselsrücken.

Um in ein anderes Bergtal zu gelangen, heißt es, zur Ebene zurück zu kehren: kurz vor Saluzzo kommt man durch Verzuolo (420 m) mit seiner interessanten Kirche Confraternità und einem Kastell Friedrichs II (in privater Hand). Man erreicht das wegen seines Freskenzyklus aus der Frührenaissance (vermutlich 1400-1420) berühmte Manta (464 m), die in der massigen Burg über dem Ort zu bewundern sind. Diese Helden und Heldinnen im Justizsaal stellen Berühmtheiten aus Mythos und Geschichte dar und sind das Kleinod der Saluzzeser Kunstgeschichte. Unsere Route führt nach Lagnasco (353 m) mit seinem Schloss, einem der schönsten Beispiele von Renaissance-Architektur im Piemont.

Nach wenigen Kilometern ist man in Revello (351 m) am Anfang des Po-Tals. Sehenswert die Kapelle Marchionale und die von Lodovico II im Jahr 1483 gegründete Klosterkirche Assunta. Ostana (1282 m), der Ort, von dem aus man den Monviso "mit Händen greifen" kann, lohnt einen kleinen Rundgang: die schiefergedeckten Häuser, die Einrichtungen und die Gässchen wurden liebevoll restauriert. Crissolo (1318 m) schuldet seinen Ruhm dem 3841 m hohen Monviso und dem Po-Ursprung am Pian del Re in 2020 m Höhe. Zahlreiche Wanderungen und Klettertouren zu den Höhen und den Berghütten der Monviso-Gruppe beginnen hier. Am Pian della Regina, einer weitläufigen Bergmulde (1745 m), gibt es eine Herberge - Etappenziel des GTA (Grosses Alpen-Trekking). In der Wallfahrtskirche San Chiaffredo zeugen viele Votiv-Tafeln von der Frömmigkeit der Bevölkerung. Talabwärts zweigt man ab nach Barge (372 m) dessen Ortskern wertvolle Denkmäler aus der Frührenaissance vorweist und kommt dann nach Bagnolo Piemonte (367 m), das wegen seiner Steinbrüche berühmt ist. Hier hat sich in den 90er Jahren eine chinesische Gemeinschaft angesiedelt, deren Männer seitdem als Steinmetze arbeiten. Schloss Malingri im Ortsteil Villar sowie die neuerliche Ansiedlung von Zistersienser- Mönchen in Pra 'd Mill, aber vor allem die Steinbrüche, wo riesige Blöcke zu künstlerischen Zwecken abgebaut werden, lohnen einen Besuch.

Ein Abstecher nach Staffarda (267 m) ist unbedingt zu empfehlen. Die gleichnamige Zisterzienser-Anlage wurde 1135, vielleicht unter Beteiligung des Hlg Bernhard von Chiaravalle gegründet. Die Stallungen, das Pilgerhaus und die Kirche sind geprägt von lombardischer Romanik, während der wundervolle Kreuzgang in der typischen Zisterzienser-Gotik erbaut wurde.

Im Antiliz des Köings aus Stein

Testo di: Gianni Martini

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